Wir brauchen dringend mehr Stadtbäume in Freiburg. Für bestehende Bäume braucht es zudem mehr Schutz. Mit einem umfangreichen interfraktionellen Antrag wollen wir Stadtbäume besser schützen und bis zu 1000 neue Bäume pflanzen:

Antrag nach §34 GemO: Stadtbaumschutz und Pflanzoffensive

Sehr geehrter Oberbürgermeister Martin Horn,

die unterzeichnenden Fraktionen beantragen, das Thema „Stadtbaumschutz und Pflanzoffensive“ ergänzend zum am 31.01.23 beschlossenen Antrag „Novellierung der Baumschutzsatzung“ auf die Tagesordnung des Gemeinderates zu setzen.

Der damalige Antrag zur Novellierung der Baumschutzsatzung soll wieder aufgegriffen und zeitnah ein Vorschlag für die Novellierung der Baumschutzsatzung vorgelegt werden. Ergänzend soll eine Druckvorlage weitere Punkte im Zusammenhang mit Stadtbäumen prüfen, ausarbeiten und konkretisieren:

  1. Novellierung der Baumschutzsatzung:
  2. Die Ersatzpflanzungspflicht gemäß §8 der Baumschutzsatzung ist von einer Kann-Bestimmung in eine verbindliche Muss-Bestimmung umzuwandeln.
  3. Grundsätzlich sind alle entnommenen Bäume durch Ersatzpflanzung zu ersetzen, ohne Ausnahmetatbestände
  4. Das Ersatzpflanzungsverhältnis sollte anstatt 1 zu 1 auf ein höheres Verhältnis angehoben werden
  5. Ersatzpflanzungen sind so nah wie möglich am Altbaum und grundsätzlich innerhalb des bebauten Stadtgebietes vorzuschreiben
  6. Darstellung des Ist-Zustandes mit Anzahl der erhobenen Stadtbäume sowie Darlegung der Entwicklung (Anzahl, Standorte) in den letzten Jahren
  7. Ermittlung von Potentialräumen für mindestens 1000 neue Stadtbäume, insbesondere im Zusammenhang mit bereits festgestellten Hitze-Hotspots, Schulhöfen und Spielplätzen unter der Zielsetzung eines Beschirmungsgrades von 30% im Stadtgebiet bis 2035 verbunden mit einem Maßnahmenplan für eine umfangreiche Baumpflanzoffensive auch unter Einbezug der Möglichkeit von mobilen Pflanzkübeln wie am Platz der alten Synagoge
  8. Darstellung der bisher in diesem Bereich aufgewendeten Haushaltsmittel und Prognostizierung der notwendigen Haushaltsmittel für eine Stadtbaum-Offensive mit den entsprechenden Maßnahmen
  9. Etablierung von wissenschaftlich bestätigten Mindeststandards bei der Pflanzung von Bäumen (insb. in Neubaugebieten und wo möglich auch im Bestand)
  10. Aufnahme auch von nicht heimischen klimaresistenten und schnellwachsenden Baumarten in die Pflanzliste des GuT
  11. Prüfung, ob Stadtbäume als Teil der kritischen Infrastruktur anerkannt werden können.
  12. Umsetzung einer interaktiven Gieß-Karte nach dem Vorbild von „Gieß den Kiez“ in Berlin
  13. Stärkere Bewerbung der Baumpatenschaften von „Freiburg packt an“
  14. Erörterung weiterer Punkte, die nach Einschätzung der Verwaltung für den Erhalt und den Ausbau von Stadtbäumen notwendig sind

Begründung:

Schon am 31.03.23 hat der Gemeinderat den Aufsetzungsantrag der Grünen zur Novellierung der Baumschutzsatzung beschlossen, welcher bislang noch nicht bearbeitet werden konnte. Dieser Antrag knüpft an die damals geforderten Zielsetzungen an.

Die Hitzewellen dieses Sommers haben gezeigt, dass unsere Stadtbäume wichtig sind, um eine zu große Aufheizung der Stadt zu verhindern. Der Hitzecheck 2026 der Deutschen Umwelthilfe kommt zu dem Urteil, dass Freiburg zwischen 2017 und 2025 rund 4.900 Stadtbäume verloren habe[1]. Der Beschirmungsgrad liegt bei lediglich 18,72 Prozent und damit weit unter dem wissenschaftlich empfohlenen Richtwert von 30 Prozent. In allen drei bewerteten Kategorien erhält Freiburg eine rote Gesamtwertung.

Diese Entwicklung hat direkte Konsequenzen für die Gesundheit und Lebensqualität der Freiburger Bevölkerung. Stadtbäume senken die Bodentemperatur nachweislich um bis zu zehn Grad Celsius, reduzieren Hitzestress und verbessern die Luftqualität. Ihr Verlust verschärft den städtischen Wärmeinseleffekt unmittelbar.

Mit der Darstellung des Ist-Zustandes soll erläutert werden, wie viele Stadtbäume aktuell im Baumkataster erfasst sind und wie der Zuwachs durch die 1 zu 2 Ersatzpflanzungsregel für städtische Bäume umgesetzt wurde. Hierbei ist insbesondere relevant, wie viel Ersatzpflanzungen im bebauten Stadtgebiet stattfanden und wie viele auf Ausgleichsflächen außerhalb der Bebauung.


Die bisherige Praxis der Ersatzpflanzungen aus der Baumschutzsatzung ist wissenschaftlich nicht ausreichend. Seniorprofessor Andreas Roloff von der TU Dresden hat nachgewiesen, dass ein Altbaum mit großer Krone in seiner ökologischen Gesamtleistung erst durch rund 400 Jungbäume ersetzt werden kann. Daher soll das Ersatzpflanzungsverhältnis angehoben werden.

Hinzu kommt, dass Ersatzpflanzungen auf landwirtschaftlichen Flächen außerhalb des Stadtgebietes keinen Beitrag zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas leisten. Nur Bäume, die innerhalb der bebauten Stadtfläche gepflanzt werden, können die Beschirmung erhöhen, Hitzeinseln reduzieren und die Freiburger Bevölkerung direkt entlasten.

Es sollen Potenzialräume ausgelotet werden, wo insbesondere an Hitze-Hotspots, auf Schulhöfen und auf Spielplätzen neue Bäume gepflanzt werden können. Mit einer Pflanzoffensive sollen mindestens 1000 neue Stadtbäume hinzukommen, mit dem Ziel, bis 2030 einen Beschirmungsgrad von 30% zu erreichen. Der Beschirmungsgrad ist wissenschaftlich mit Satellitenbildern messbar und zeigt den Fortschritt bei der Klimaresilienz nachvollziehbar auf. Auch großräumige mobile Pflanzkübel, wie am Platz der alten Synagoge, sollen an Plätzen, wo eine Bodenpflanzung nicht möglich ist, in Erwägung gezogen werden.

Die für eine umfangreiche Pflanzoffensive notwendigen Haushaltsmittel sollen in der Drucksache geschätzt werden, ebenso soll dargestellt werden, welche Mittel die Verwaltung bislang für Stadtbäume aufbringt.

Um ein gutes Wachstum der neugepflanzten Bäume garantieren zu können, sollen bei Neubau von Straßen und Parks wissenschaftliche Mindeststandards zur Wasserspeicherfähigkeit von Baumgruben (bis zu 12 Kubikmeter Wasser) und Baumscheiben (8-12qm) eingehalten werden. Wo möglich soll dies auch im Bestand gelten.

Bei Neupflanzungen soll auch auf nicht heimische, klimaresistente und schnellwachsende Baumarten gesetzt werden.

Mit der Prüfung, ob Stadtbäume als kritische Infrastruktur angesehen werden können, soll der Wille nach Erhalt so vieler Stadtbäume wie nur möglich unterstrichen werden. Stadtbäume erfüllen eine Vielzahl von Klimafunktionen, ohne sie würden Hitzewellen sich noch stärker auf die Gesundheit der Bürger*innen auswirken.

Kurzfristig umgesetzt werden könnte eine interaktive Karte, die die Bürger*innen zur Mithilfe beim Gießen von Bäumen animieren könnte. In Berlin wurde eine solche Karte als Open-Source-Projekt umgesetzt: https://www.giessdenkiez.de. Diese baut auf einem Baumkataster auf, welches Freiburg ja bereits im FreiGis zur Verfügung stellt. Daher sollte sich eine solche Karte ohne größere Investitionen umsetzen lassen, eine Anleitung zur Adaption wird von den Berliner Verantwortlichen zur Verfügung gestellt: https://deinestadt.giessdenkiez.de/.

Damit verbunden kann auch die bestehende Baumpatenschaft von „Freiburg packt an“ stärker beworben werden. Wichtig dabei ist, auch auf die Regeln aufmerksam zu machen, oft sieht man Baumscheiben mit Umrandungen oder Humusauffüllungen, die eine Wasseraufnahme im Sinne der Schwammstadt erschweren.

Die Vorlage soll auch Vorschläge der Verwaltung erhalten, welche sie fachlich für geboten hält, um den Bestand an Stadtbäumen zu erhalten und auszubauen.

Die vorgeschlagenen Ziele im Umgang mit Stadtbäumen sind ein notwendiger Schritt hin zu einer klimaresilienten Stadtentwicklung in Freiburg.

Mit freundlichen Grüßen

Anna Polášek                                                                       Felicia Fehlberg

stellv. Fraktionsvorsitzende FR4U                                      Fraktionsvorsitzende FR4U

Sophie Kessl                                                                         Sonja Wagner

stellv. Fraktionsvorsitzende FR4U                                      stellv. Fraktionsvorsitzende FR4U

Dr. Maria Hehn                                                                     Sophie Schwer

Stadträtin Grüne                                                                  Fraktionsvorsitzende Grüne

Emriye Gül                                                                            Alexandra Kobzew

Stadträtin Eine Stadt für alle                                              Stadträtin Eine Stadt für alle

Walter Krögner                                                                     Seren Haliloğlu

Stadtrat SPD+JF                                                                   Stadträtin SPD+JF

Dr. Wolf-Dieter Winkler

Stadtrat Freiburg Lebenswert


[1] https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/hitze-check-2026-der-deutschen-umwelthilfe-fast-eine-million-baeume-aus-deutschen-staedten-verschwund/

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