Unsere Fraktion kritisiert die Einaldung eines Vertreters der Firma Palantir auf das Käpsele Innovation Festival. Wir haben daher eine Anfrage an die mitveranstaltende FWTM gestellt. Hier sind nun die Antworten:

Einzelanfrage nach § 24 Abs. 4 GemO zu Sachthemen außerhalb von Sitzungen h i e r : Einladung eines Vertreters der Firma Palantir auf das Käpsele Innovation Festival

Sehr geehrte Frau Kessl, sehr geehrte Frau Wagner,

wir kommen auf Ihre Anfrage in o. g. Angelegenheit vom 09.07.2026 zurück. Hierzu können wir wie folgt Stellung nehmen:

1.       Wie erfolgt die Auswahl der Speaker*innen? Welche Institution ist dafür zuständig, insbesondere im konkreten Fall des Panels mit dem Vertreter der Firma Palantir?

Die Programmgestaltung des Käpsele Innovation Festivals erfolgt gemeinschaftlich durch die Veranstalter – die IHK Südlicher Oberrhein und die FWTM. Für die inhaltliche Konzeption und Besetzung der mehr als 30 Panels und mehr als 150 Speakerinnen und Speakern ist das gemeinsame Programmteam verantwortlich. Die Auswahl der Speakerinnen und Speaker orientiert sich an den inhaltlichen Schwerpunkten des Festivals sowie an deren fachlicher Expertise und den unterschiedlichen Perspektiven, die sie zu den jeweiligen Themen einbringen können. Die finale Entscheidung über die Besetzung eines Panels wurde nach umfangreicher Recherche und Auseinandersetzung vom Programmteam getroffen.

Das Panel „Europe’s Digital Sovereignty: Is Dependence Really a Problem?“ verfolgt das Ziel, unterschiedliche Positionen relevanter Marktakteure zur digitalen Souveränität zusammenzuführen. Vor diesem Hintergrund wurde das Panel mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Unternehmen besetzt. Neben Palantir nehmen mit Schwarz Digits und One Data auch deutsche Anbieter teil, die jeweils eigene Sichtweisen und Erfahrungen in die Diskussion einbringen. Die Teilnahme von Palantir stellt somit eine von insgesamt vier Perspektiven innerhalb dieses Panels dar.

Der Vertreter von Palantir wurde eingeladen, weil die Produkte des Unternehmens in Deutschland sowohl von staatlichen Institutionen als auch von privaten Unternehmen eingesetzt werden und in

diesen weitere Einsatzmöglichkeiten diskutiert werden. Diesen Diskurs möchten wir im Rahmen des Festivals aus unterschiedlichen Perspektiven aufgreifen. Dazu gehört auch, einem Vertreter des Unternehmens Gelegenheit zu geben, die Sichtweise von Palantir in die Diskussion einzubringen. Ziel des Panels ist es, den teilnehmenden Unternehmerinnen und Unternehmern unterschiedliche Positionen und Einschätzungen zum Thema digitale Souveränität im Kontext von Unternehmenslösungen zu vermitteln und ihnen eine fundierte Grundlage für die Einordnung des Themas zu bieten.

2.       Gab es die Überlegung, auch kritische Stimmen als Gegenpol zu Palantir auf dem Podium zu platzieren?

Ja. Das Panel war von Beginn an als Fachgespräch zwischen Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Unternehmen mit unterschiedlichen Perspektiven auf digitale Souveränität in Unternehmen konzipiert. Ziel war es, die Positionen unterschiedlicher Marktakteure miteinander in den Dialog zu bringen. Die Kontroverse sollte dabei aus den unterschiedlichen fachlichen und strategischen Einschätzungen der beteiligten Unternehmen entstehen. So hat sich beispielsweise Dr. Andreas Böhm, Gründer und Geschäftsführer von OneData, in der Vergangenheit wiederholt für digital souveräne Lösungen aus Deutschland ausgesprochen und dabei öffentlich auch kritisch zu Palantir Stellung bezogen. Eine ergänzende Besetzung mit Vertreterinnen und Vertretern zivilgesellschaftlicher Organisationen war für dieses Panel daher nicht vorgesehen.

Das angesprochene Panel ist Teil eines umfangreichen Festivalprogramms, das unterschiedliche Sichtweisen auf technologische Entwicklungen aufgreift. Expertinnen und Experten, die Fragen von Datenschutz, Ethik und gesellschaftlicher Verantwortung in den Mittelpunkt stellen, sind ebenfalls Teil des Programms. So setzt sich etwa die Unternehmerin, Autorin und Digitalexpertin Aya Jaff in ihren Beiträgen mit den gesellschaftlichen Auswirkungen technologischer Entwicklungen auseinander. Darüber hinaus greifen weitere Referentinnen und Referenten wie die Philosophin und Gründerin des „Human Magazins“ Dr. Rebecca Reinhard als Key Note Speakerin ethische, regulatorische und gesellschaftliche Fragen der digitalen Transformation auf.

Das Ziel des Festivals ist es, technologische Entwicklungen aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und hierfür Raum für den fachlichen Austausch zu schaffen. Die Auswahl der Programmpunkte erfolgt dabei jeweils themenbezogen und richtet sich nach dem jeweiligen Veranstaltungsformat.

3.       Wie begründet die FWTM die Einladung eines Vertreters der umstrittenen Firma Palantir auf das Festival? Welchen Input und Mehrwert erwartet die FWTM von diesem Gast?

Mit dem Käpsele Innovation Festival möchten die Veranstalter – die IHK Südlicher Oberrhein und die FWTM – Raum für den Austausch über relevante Zukunftsthemen schaffen. Dies gilt insbesondere für Themen, die Unternehmen aktuell beschäftigen und zu denen unterschiedliche, teils kontroverse Sichtweisen bestehen. Diese Haltung bringt auch das diesjährige Festivalmotto

„Zukunft braucht Zündstoff“ zum Ausdruck.

Die Einladung eines Referenten oder einer Referentin ist dabei ausdrücklich nicht als Zustimmung des Käpsele Innovation Festivals oder seiner Partner zu einzelnen Positionen, Geschäftsmodellen oder Produkten eines Unternehmens zu verstehen.

Von der Teilnahme des Vertreters von Palantir erwarten wir fachliche Einblicke in die Perspektive eines international tätigen Technologieunternehmens auf das Thema digitale Souveränität für Unternehmen. Im Fokus des Panels steht die Frage, ob digitale Souveränität ausschließlich durch den Einsatz europäischer Technologien erreicht werden kann oder ob hierfür auch nicht-europäische Lösungen eine Rolle spielen können. Ziel ist es, diese Fragestellung aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten und den Teilnehmenden eine fundierte Einordnung der verschiedenen Positionen zu ermöglichen.

Uns ist bewusst, dass Palantir und das Unternehmen betreffende politische und gesellschaftliche Fragen kontrovers diskutiert werden. Gerade deshalb halten wir es für wichtig, unterschiedliche Positionen im Rahmen eines moderierten Diskussionsformats öffentlich zu diskutieren. Das Festival versteht sich als Plattform für den fachlichen Austausch und die offene Auseinandersetzung mit aktuellen Zukunftsthemen.

Die Moderation des Panels wird darauf achten, dass unterschiedliche Positionen angemessen zur Sprache kommen und Fragen aus dem Publikum aufgegriffen werden.

Die übrigen im Gemeinderat vertretenen Fraktionen, Fraktionsgemeinschaften, Gruppierung und Einzelstadtrat erhalten Nachricht von diesem Schreiben.

Freundliche Grüße

Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH & Co. KG

Katharina Schirmbeck                                                                  Jens Mohrmann

Geschäftsführerin                                                                          Geschäftsführer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert